Fairtrade und was dahinter steckt – ein Beispiel

Für Verbraucher ist es meist schwer ersichtlich, was hinter den verschiedenen Modelabels und Zertifikaten für fairen Handel und Ökomode steht. Das folgende Beispiel soll einen kleinen Blick hinter die Kulissen geben.

Im Sommer 2007 entschloss sich Nina Lorkovic dazu, ein kleines Modelabel zu gründen. Die Mediendesignerin wollte Grafiken auf T-Shirts drucken, die aus fairem Handel stammen und außerdem aus Biobaumwolle hergestellt sind. »Dann habe ich meine Fühler ausgestreckt und bin schnell auf TransFair gestoßen, die auch hier in Köln sitzen«, erzählt die alleinerziehende Mutter eines Sohnes. TransFair vergibt unter dem internationalen Dachverband der Fairtrade Labelling Organizations (FLO) das Fairtrade-Siegel innerhalb Deutschlands.

Die Näherei in Indien
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© Nina Lorkovic
Durch einen Kooperationsvertrag verpflichtete sich Nina Lorkovic, für ihr Label »milch« einen Produzenten aus dem Netzwerk von TransFair zu wählen. Im Gegenzug dürfen ihre T-Shirts das Fairtrade-Siegel tragen. »Ich bekam eine Liste mit Produzenten weltweit, die alle von FLO zertifiziert sind, teilweise ausschließlich fairtrade, aber ein paar davon waren auch fairtrade und bio«, erzählt sie. »Ich hatte die freie Wahl, welchen der Produzenten ich aus der Liste nehme, und ich habe einen Produzenten in Indien gefunden.«

Regelmäßige Kontrollen

Alle zertifizierten Betriebe werden regelmäßig von TransFair kontrolliert. »Die FLO haben überall auf der Welt Niederlassungen, die die Betriebsstätten prüfen.« Nina Lorkovic selbst ist durch den Vertrag gebunden, das Fairtrade-Siegel korrekt einzusetzen. Kontrolliert fühlt sie sich dabei nicht, aber sie steht in ständigem Kontakt mit TransFair. »TransFair will zum Beispiel informiert werden, wenn ich neue Produkte herausbringe. Ich habe da eine Ansprechpartnerin, mit der ich einmal im Monat spreche. Das Gute an dieser Kooperation ist, dass wir dasselbe Interesse und dasselbe Ziel haben. Das merkt man auch im Umgang miteinander.«

Die Arbeiter tragen eine Mundschutz, damit sie keine Gewebepartikel einatmen
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© Nina Lorkovic
Im Februar 2008 besuchte Nina Lorkovic ihren Produzenten in Indien. »Ich war neugierig. Ich wollte den Betrieb kennenlernen, ich wollte die Mitarbeiter kennenlernen, die für mich zuständig sind, um einen persönlichen Kontakt zu schaffen«, nennt sie die Gründe ihrer Reise. »Außerdem gab es mir ein sicheres Gefühl, die Leute kennenzulernen, mit denen ich arbeite. Und ich wollte selbst sehen, wie die Bedingungen vor Ort sind. Ich hatte vorher keinerlei Vorstellungen.«

Westliches Unternehmen mit guten Arbeitsbedingungen

Der Betrieb rund zehn Kilometer vor Kolkata, ehemals Kalkutta, überzeugte die Unternehmerin: »Ich fand ein westliches Unternehmen mit 450 Mitarbeitern vor, mit SAP-Software gestützt und neuesten Maschinen.« Einen kompletten Arbeitstag lang, von 9 bis 18 Uhr, begleitete sie die Mitarbeiter. »In der einstündigen Mittagspause habe ich mich mit den Arbeitern unterhalten. Dann gab es um 16:30 nochmal eine Teepause. Die Atmosphäre war positiv, die Arbeiter waren sehr freundlich, zuvorkommend, neugierig. Der Geschäftsführer führte mich herum und hat mir sämtliche Einblicke in alle Abteilungen gewährt. Ich konnte überall meine Fragen loswerden und Fotos machen.«

Das Lager des Produzenten in Indien
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© Nina Lorkovic
Die guten Arbeitsbedingungen macht Nina Lorkovic vor allem an der guten Atmosphäre fest: »Es wirkte stressfrei, es war ruhiges Arbeiten. Was die Bedingungen angeht, ich glaube, da würde sich manch Deutscher freuen, da unten zu arbeiten.« Auch Kinderarbeit ist tabu – das Mindestalter im Betrieb beträgt 20 Jahre. Bei einem Interview mit einem Arbeiter konnte sie sich auch von den guten Sozialleistungen und dem angemessenen Lohn überzeugen. »Selbst ein kleiner Arbeiter mit einer nur einfachen Schulbildung kann davon leben, seine Familie ernähren, und seine Kinder gehen in die Schule. Das ist mit Sicherheit nicht der Standard in Indien.«

Biobaumwolle aus Mittelindien

Im "folding department" werden die Baumwollprodukte nach dem Bügeln gefaltet, bevor sie zum Versand verpackt werden
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© Nina Lorkovic
Einen weiteren Tag besuchte Nina Lorkovic das Büro im Zentrum Kolkatas, wo die gesamte Verwaltung und das Marketing ablaufen. Den einzigen Arbeitsschritt, den sie nicht persönlich gesehen hat, ist der Biobaumwollanbau. »Die Baumwolle für meine T-Shirts kommt aus dem Zameen Organic Cotton Project in der Nähe von Hyderabad in Mittelindien.« In Kolkata werden daraus die Kleidungsstücke produziert und auch bedruckt. »Der Druck ist vergleichbar mit Siebdruck und findet auf Wasserbasis, also ohne Lösungsmittel, statt«, so Nina Lorkovic. Die Textilien der Designerin sind komplett aus ungebleichter Baumwolle und auch sonst unbehandelt.

Neben dem Zertifikat von TransFair besitzt das Label von Nina Lorkovic auch noch das Zertifikat ECO CERT. »Das unterliegt SKAL, einer Organisation, die Baumwollerzeuger zertifiziert. Als ich in Indien war, war auch ein Team von SKAL vor Ort, das den Betrieb geprüft hat.« Dadurch, dass der Betrieb dieses Siegel erhalten hat, darf auch das Label von Nina Lorkovic das Siegel tragen.

Das Büro des Unternehmens ist mit Computern und SAP-Software ausgerüstet
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© Nina Lorkovic
Wie ihre Baumwolle vom Anbau zum Produzenten transportiert wird, weiß sie jedoch nicht. Beim Transport der T-Shirts nach Deutschland wählte sie die weniger umweltschonende Variante, kann sie jedoch begründen: »Ich habe meine Produkte bis jetzt einfliegen lassen, weil die Kunden sonst zu lange warten müssten und dann eventuell kein Interesse mehr haben. Und der Transport mit dem Schiff dauert drei bis vier Monate.« Langfristig will sie einen festen Kundenstamm aufbauen und einen Zeitplan entwickeln, der es ihr erlaubt, besser zu planen. »Dann würde ich meine Kleidungsstücke natürlich per Schiff importieren!«


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