Rohstoff: Baumwolle

Anbau

Die Baumwollpflanze (Gossypium) ist eine Gattung aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und somit verwandt mit Stockrose und Hibiskus. Ihre Anbaugebiete liegen zwischen dem dem 37. nördlichen und dem 30. südlichen Breitengrad. Baumwollpflanzen sind anspruchsvoll, brauchen viel Sonne, gleichmäßige Temperaturen und vor allem reichlich Wasser. Für ein Kilo Baumwollfasern werden zwischen 7.000 und 20.000 Liter Wasser benötigt, teilweise sogar noch mehr. Der hohe Wasserverbrauch kann zu sinkenden Grundwasserspiegeln und Bodenversalzung führen. Der Aralsee ist offenbar vor allem wegen Baumwollanbau heute zu großen Teilen ausgetrocknet (vgl. hier).

Konventionelle (und damit meist "hochgezüchtete") Baumwolle ist sehr anfällig für Insekten. Ein Viertel des weltweiten Insektizidmarktes entfallen auf Baumwolle, dazu kommen 10% am globalen Pestizidmarkt. In den USA und China wird der Einsatz gentechnisch veränderte Baumwollsorten forciert. Solche Sorten werden dort auf mehr als 50% der Flächen eingesetzt. Zusätzlich wird bei konventioneller Baumwolle viel chemisch-synthetische Dünger eingesetzt.

Bio-Baumwolle wird ohne chemisch-synthetischen Dünger und ohne Pflanzenschutzmittel angebaut. Gentechnisch verändertes Saatgut darf nicht eingesetzt werden. Durch einen Fruchtwechsel (d.h. die Bio-Baumwolle wird in Abwechslung mit anderen Feldfrüchten angebaut) wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder sogar verbessert. Auch die Düngung mit Mist und Kompost trägt dazu bei.

Der Anteil von Bio-Baumwolle am gesamten Anbau von Baumwolle lag in der Saison 2005/2006 bei ca. 0,1%.

Verarbeitung und Eigenschaften

Baumwolle ist hautsympathisch und lässt sich leicht verarbeiten. Gerade die einfache Verarbeitungsmöglichkeit (sowohl Spinnbarkeit der Fasern als auch Färbung) ist ein wichtiger Grund sein, warum sich Baumwolle im Vergleich zu anderen Naturfasern so stark durchgesetzt hat. Der Anbau dagegen ist – wie weiter oben geschildert – deutlich problematischer.

Herkunft und Transport

Hauptherkunftsländer von Bio-Baumwolle sind Indien und die Türkei. In der Saison 2005/2006 entfiel jeweils knapp 35% der Bio-Baumwolle auf diese beiden Länder. Fairtrade-zertifizierte Baumwolle stammt aus Indien, Pakistan oder aus Afrika (Mali, Senegal).

Baumwoll-Produkte haben also grundsätzlich eher längere Transportstrecken hinter sich. Übrigens wird Baumwolle aus den USA zur Verarbeitung oft nach China gebracht, um dann schließlich wieder in den USA (oder Europa) verkauft zu werden. Vgl. das Buch Pietra Rivoli: Reisebericht eines T-Shirts.

Hersteller

Artikel aus (Bio-)Baumwolle haben alle bei uns gelisteten Hersteller.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten

Baumwollfasern bzw. andere Bestandteile der Baumwollpflanze werden bei verschiedensten Produkten verwendet. Beispiele sind Autoreifen, Filmmaterial, Lacke oder Geldscheine.



Quellen und weitere Informationen

Bio-Baumwolle.ch (Infos von Helvetas)
Die Schweizer NGO hält sehr viele Informationen zu Biobaumwolle und Baumwolle allgemein bereit. Sie führt selbst einige Projekte mit Bio-Baumwolle durch und verkauft entsprechende Produkte (siehe unseren Eintrag Helvetas in der Herstellerliste).

PAN Germany (Pestizid Aktions Netzwerk)
Wegen des hohen Anteils von Pestiziden beim Baumwoll-Anbau wird von PAN gerade das Thema Baumwolle stark thematisiert.

Organic Cotton Market Report (von Organic Exchange)



« Übersicht Rohstoffe



Kirsten Brodde: Saubere Sachen
Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt. Von einer Expertin auf diesem Gebiet, die u.a. für Greenpeace arbeitet.
Greenpeace Magazin: Textilfibel 3
Ausführlich und gewohnt kritisch durchleuchtet das Greenpeace Magazin fast alle Fragen rund ums Thema Kleidung. Neue Ausgabe 2009!
Leo Hickman: Fast nackt
Hickman, Journalist bei der renommierten links-liberalen Tageszeitung Guardian aus England hat sein Leben (und das seiner Familie) innerhalb eines Jahres umgestellt. Ethisch und ökologisch ...
©2010 öko-mode.info / Höfling und Segerer GbR
Alle Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt, trotzdem kann keine Gewähr dafür übernommen werden.